Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Rückblickend auf die letzten Entwicklungen im Kreis, insbesondere jene Morddrohungen, Einschüchterungen, Überfälle und andere Auswüchse des Faschistenpacks in Ratzeburg und vor allem die öffentlichen Reaktionen auf diese, kann man nur sagen, dass Slime heute wie damals Recht haben – Nicht zuletzt geben Ihnen insbesondere jene Jugendlichen und Erwachsenen Recht, welche in den letzten Tagen in Dessau durch die Straßen liefen und rassistische, dumme Parolen in die Welt hinauskrakeelten, indem sie einen Überfall mit Körperverletzung zum Beweis für „kriminelle Ausländer“ hochstilisierten (NoNazis-Dessau dazu). Dort, wo ein Mensch in einer Polizeistelle von Polizisten angezündet wurde und diese damit davonkommen, gibt es wieder eine Pogrom-Stimmung wie im Jahre 1992.

Doch Fakt ist: Wir müssen nur den Fuss vor die Tür setzen und treten dabei, wenn wir nicht gut aufpassen, fast schon in den braunen Haufen. Es sind nicht nur die Nazis, die diesen „Konsens der Deutschtümelei“ ausleben; dieses Denken zieht überall in der Gesellschaft seine Kreise: Rassismus, ob „guter“ oder „schlechter“, ist für die meisten eine legitime Wahl bei der Beurteilung eines anderen Menschen. Antisemitismus ist ein fester Bestandteil der hiesigen Weltansicht und wird als völlig „normal“ gewertet. Die Vorstellung eines deutschen Überstaates mit der stärksten Wirtschaft, Polizei und Armee und dem europäischen Szepter in der Hand spiegelt sich ständig in den Aussagen vieler Vertreter der Nation wider. Und viele Menschen, die sich als Teil von Deutschland sehen, finden in diesen Zuständen keine Problematik.

Deutschtümelei gibt es überall: Der Sportkommentator, der sich über die überragende Athletik und das besondere Können bei „deutschen Sportlern“ einen runterholt; die Fans, die übereuphorisch fahnenschwingend durch die Innenstadt ziehen und teils verbotene Lieder trällern; der Beamte, der Personen nach Herkunft oder Aussehen beurteilt und dementsprechend behandelt (man führe sich dazu die deutsche Asylpolitik vor Augen); die Bundeswehr, die in Afghanistan deutsche Werte, deutsche Güter und deutsches Recht verteidigt; die Steine und ihre Metzen, die in jedem Kaff „ihrer gefallenen Helden“ nachtrauern. Und ultimativ gibt es da noch die Faschisten, die „Nationalen“, der braune Mob: Sie sehen in allen Andersseienden Gotteslästerer, welche sich von ihrem Glaubenswerk „Deutschland“ lossagen wollen. Und so geht es immer weiter: Deutsche Autors fahren „schneller“, deutsches Essen schmeckt „besser“, deutsches Gesetz ist „gerechter“. Und verdienen tut man sich auch noch dumm und dämlich mit dem schwarz-rot-goldenen Anstrich.

All dieser Gedankendurchfall wird Tag für Tag aufs neue wiederholt, von zukünftigen Generationen reproduziert und daher irgendwann für viele Menschen zum festen Bestandteil ihrer Welt. Dass man dadurch gefährlich schnell wieder auf den Trichter „deutsch = überlegen“ kommen kann, dass es fast keine (selbst)kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff des „Deutschseins“ gibt; das bemerkt kaum jemand und wer stört sich schon daran?

Es gibt sie, diese Anderen, wesentlich wenigere, welche sich nicht auf diese Art des Denkens beschränken wollen und laut und deutlich „NEIN!“ zu Deutschland sagen. Es ist die Verneinung des „Sich-damit-abfinden“, dass wir aufgrund „unserer Natur“ aufeinander losgehen und immer das Fremde, Ungewollte an den „Anderen“ finden. Es ist die Verneinung der „deutschen Herkunft“ und all seiner „Eigenheiten“, welche diese austauschbare Erfindung nach sich zieht und vielen die kritische Selbsterkenntnis erspart. Und es ist die Verneinung des „Zufriedenseins“ in solchen Zuständen, wo wir uns für Nation, Staat und System kaputt schuften, welche den meisten gegenüber ungerechter und verlogener kaum sein könnten.

Es ist aber auf der anderen Seite auch ein geradezu wütendes „JA!“, welches viel mehr beinhaltet als das fast schon gequälte „Ja“ vieler Bürger_Innen zum Lichterketten-Antifaschismus und anderer deutscher Befreiungs-Heucheleien; wir bejahen ein Leben frei von Vorurteilen und völkischen Zwängen, egal wo sie vorkommen und wie wir sie erleben; wir bejahen den aktiven, radikalen Widerstand gegen jene „treue Kräfte“ der Nation, die uns und vielen Anderen das Recht auf Selbstbestimmung, Freiheit und Unabhängigkeit verwehren wollen, indem sie uns drohen, einsperren, misshandeln oder sogar totschlagen. Wir bekräftigen mit diesem „Ja“ auch immer wieder unsere Bereitschaft zur Solidarität mit Menschen, die uns vielleicht völlig unbekannt sind.

Außerde gibt es niemals einen Grund, sich auf veraltete Pseudowissenschaften von teils völlig Wahnsinnigen zu stützen, nur um sich diese Welt schneller und einfacher erklären zu können. Deswegen sagen wir auch „Ja“ zum selber denken: Frei von Grenzen und Konflikten, die alles nach Wertigkeit und Moral aufteilen; frei von Rassismus und „Volkszugehörigkeit“, von „Schwarz-rot-geil!“ und anderen peinlichen Liebeserklärungen an ein imaginäres Konstrukt; frei von „Anstand und Würde“ des guten Bürgers, welcher nur an parlamentarische Demokratie, die Polizei, das Kapital, seinen Gott und seine Fahne glaubt.

Die Zustände werden sich nicht ändern, wenn wir nur sagen, was wir wollen oder gar brauchen, um zufrieden mit uns und der Welt zu sein. Wir rufen euch dazu auf, sich an den Protesten zu beteiligen und sich mit diesem „Normalzustand“ niemals wieder zufriedenzugeben. Es geht dabei um weit mehr als die Moral unserer Gesellschaft oder was wir für „richtig“ oder „falsch“ erachten: Ein Rechtsruck bedeutet immer auch ein weiterer Schritt zur Militarisierung der Bevölkerung, zur Einschränkung der Meinungs- und Bewegungsfreiheit und zur Stärkung der gesellschaftlichen Kriegsbereitschaft.

Wozu das geführt hat, wissen wir alle nur zu gut. Jedoch hat „Deutschland“ es wohl nie geschafft, aus Morden an Millionen und dem kompletten Lossagen von Menschlichkeit mehr zu lernen, als wie man sich dem Fanatismus komplett hingibt.

Wir aber schon. Und deshalb sind wir nicht Deutschland.

Was sich in Deutschland abspielt, ist unerträglich. Dreizehn Jahre lang konnten drei Thüringer Nazis ungestört durch die Republik reisen, Banken überfallen, Sprengstoff-Attentate verüben und Menschen ermorden. Ihre Opfer waren Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat und die Polizistin Michèle Kiesewetter.

Die Morde der Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) wurden nur durch einen Zufallsfund nach dem Tod der beiden Nazis Böhnhardt und Mundlos im November 2011 aufgedeckt. Seitdem erfährt die Öffentlichkeit stückchenweise grauenhafte Details über die gezielte Hinrichtung von Migranten in ihren Geschäften, eine Nagelbombe in Köln-Mülheim und andere Anschläge eines Netzwerkes, von dem bisher nicht einmal abzusehen ist, wer ihm außer Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt noch angehört. Das ganze Ausmaß des Terrors ist noch nicht ersichtlich – möglicherweise steckt die Gruppe auch hinter einer Serie von Brandanschlägen in Völklingen und einem antisemitischen Bombenanschlag in Düsseldorf-Wehrhahn.

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Was für zwischendurch…

…für deinen Kopf und dein Herz.



Wider der Festung Europa! Für eine Welt ohne Grenzen und Nationen!

Da dieser Slogan uns in letzter Zeit beim Spazierengehen mehrmals auf Laternen und Mülleimern aufgefallen ist, greifen wir das Thema auf und stellen euch diese noch sehr junge Kampagne einmal ausführlich in den Worten der Aufrufenden vor:

Let’s push things forward – Eine Kampagne gegen rechte Zeitungen!

Während Thor Steinar-Läden oder etwa Aufmärsche von Neonazis (zu Recht!) meist engagierten Protest und Widerstand hervorrufen, gibt es tagtäglich an ganz normalen Kiosken, in Supermärkten und Bahnhofsbuchhandlungen widerspruchslos rechte Zeitungen von „Junge Freiheit“ bis „Deutsche Stimme“ zu kaufen. Damit werden nationalistische, rassistische, sexistische, homophobe, militaristische und z.T. sogar neonazistische Inhalte verbreitet, wobei die Übergänge fließend sind.

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Kiel: Über 1300 Leute auf Soli-Antifa-Demo

Heute, am Nachmittag des Sa., 13. März 2010 Uhr beteiligten sich insgesamt weit mehr als 1300 Menschen an der Demonstration „You‘ll never walk alone!Solidarität mit der Alten Meierei und allen Betroffenen faschistischer Gewalt! Nazistrukturen in Kiel und andernorts zerschlagen – linke Gegenkultur stärken!“, die von verschiedenen NutzerInnen und UnterstützerInnen der Alten Meierei initiiert und von einem breiten Spektrum von fast 100 politischen und kulturellen Organisationen und Projekten aus Kiel und weit darüber hinaus getragen wurde. Anlass der Demonstration waren scharfe Schüsse auf das linke Kultur- und Wohnprojekt Alte Meierei am 20. Januar 2010 und seit geraumer Zeit andauernde Angriffe von Neonazis auf linke und alternative Einrichtungen in Kiel.

Ab 14 Uhr versammelten sich die DemoteilnehmerInnen am Kieler Hauptbahnhof, von wo sich der Demonstrationszug gegen 15 Uhr in Bewegung setzte und nach einer langen Route durch die Kieler Innenstadt gegen 17.30 Uhr an der Alten Meierei endete.

Es wurden insgesamt vier Kundgebungen am Bahnhof, am Asmus-Bremer-Platz, vor dem erst vor wenigen Wochen von einem erneuten Naziangriff betroffenen Buchladen Zapata im Jungfernstieg und in der Ringstraße abgehalten. Dabei wurde sich in verschiedenen Redebeiträgen solidarisch mit allen Betroffenen der faschistischen Angriffe erklärt, zu denen es vor allem in den letzten zwei Jahren immer wieder gehäuft gekommen ist, die Notwendigkeit breiter antifaschistischer Gegenwehr betont und zur Verteidigung und Schaffung grenzenloser linker Gegenkultur wie in der Alten Meierei aufgerufen. Darüber hinaus wurde immer wieder die bisher ausgebliebene breite Thematisierung der Kieler Naziaktivitäten in weiten Teilen der städtischen Öffentlichkeit kritisiert. So berichte z.B. die Lokalpresse den RednerInnen zufolge nur unzureichend und häufig unzutreffend über Aktivitäten von Neonazis in Kiel. Zudem schwinge oft eine Gleichsetzung von engagierten AntifaschistInnen mit Neonazis im Sinne der sogenannten „Extremismustheorie“, die als politisch und wissenschaftlich haltlos zurück gewiesen wurde, in der Berichterstattung führender Kieler Printmedien mit.

Mark Schröder vom Demovorbereitungskreis 13.3. zeigte sich sehr zufrieden: „Weit über 1300 AntifaschistInnen haben heute unmissverständlich klargestellt, dass wir uns nicht von den Angriffen der Nazis einschüchtern lassen und jetzt erst recht eine lebendige linke Gegenkultur leben und weiter gegen Naziaktivitäten jeglicher Art vorgehen werden. Wir können uns dabei auf eine große Solidarität in der Stadt verlassen, wie heute wieder einmal deutlich geworden ist.“

„Es war lange überfällig, wie heute sehr erfolgreich geschehen, mit einer starken antifaschistischen Mobilisierung die nötige Gegenöffentlichkeit zu den Schüssen auf die Alte Meierei und anderen Naziaktivitäten in Kiel herzustellen. Dass wir dies mal wieder selbst in die Hand nehmen mussten, hat nicht zuletzt damit zu tun, dass die lokale Presse ganz im Sinne der vorgegebenen Polizeilinie die hiesigen Naziaktivitäten meist verschweigt, verharmlost oder sogar die dringend erforderliche antifaschistische Gegenwehr mit ihnen gleichsetzt. Wie gefährlich das ist, offenbart sich in einem städtischen Klima, in dem es den Neonazis trotz ihrer weitestgehenden Marginalisierung möglich ist, fortlaufend Menschen und Einrichtungen anzugreifen. Deshalb freuen wir uns, dass es unsheute gelungen ist, dem eine unüberhörbare antifaschistische Position entgegen zu setzten. Daran werden wir natürlich auch in Zukunft festhalten!“, kommentierte Julia Schmidt vom Demovorbereitungskreis die erfolgreich verlaufene Demonstration.

Rückfragen an den Demovorbereitungskreis 13.3.: antifa-kiel@riseup.net
Weitere Informationen: www.antifa-kiel.org | www.altemeierei.de

Dresden 2010 – Sie kamen nicht durch!

Karen Eliot and the Antifa Swingers!




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