Antifaschistische Linke Schwarzenbek http://als.blogsport.de Sun, 29 Jan 2012 14:17:57 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en http://als.blogsport.de/2012/01/24/178/ http://als.blogsport.de/2012/01/24/178/#comments Tue, 24 Jan 2012 11:59:54 +0000 A.L.S. Allgemein http://als.blogsport.de/2012/01/24/178/

Rückblickend auf die letzten Entwicklungen im Kreis, insbesondere jene Morddrohungen, Einschüchterungen, Überfälle und andere Auswüchse des Faschistenpacks in Ratzeburg und vor allem die öffentlichen Reaktionen auf diese, kann man nur sagen, dass Slime heute wie damals Recht haben – Nicht zuletzt geben Ihnen insbesondere jene Jugendlichen und Erwachsenen Recht, welche in den letzten Tagen in Dessau durch die Straßen liefen und rassistische, dumme Parolen in die Welt hinauskrakeelten, indem sie einen Überfall mit Körperverletzung zum Beweis für „kriminelle Ausländer“ hochstilisierten (NoNazis-Dessau dazu). Dort, wo ein Mensch in einer Polizeistelle von Polizisten angezündet wurde und diese damit davonkommen, gibt es wieder eine Pogrom-Stimmung wie im Jahre 1992.

Doch Fakt ist: Wir müssen nur den Fuss vor die Tür setzen und treten dabei, wenn wir nicht gut aufpassen, fast schon in den braunen Haufen. Es sind nicht nur die Nazis, die diesen „Konsens der Deutschtümelei“ ausleben; dieses Denken zieht überall in der Gesellschaft seine Kreise: Rassismus, ob „guter“ oder „schlechter“, ist für die meisten eine legitime Wahl bei der Beurteilung eines anderen Menschen. Antisemitismus ist ein fester Bestandteil der hiesigen Weltansicht und wird als völlig „normal“ gewertet. Die Vorstellung eines deutschen Überstaates mit der stärksten Wirtschaft, Polizei und Armee und dem europäischen Szepter in der Hand spiegelt sich ständig in den Aussagen vieler Vertreter der Nation wider. Und viele Menschen, die sich als Teil von Deutschland sehen, finden in diesen Zuständen keine Problematik.

Deutschtümelei gibt es überall: Der Sportkommentator, der sich über die überragende Athletik und das besondere Können bei „deutschen Sportlern“ einen runterholt; die Fans, die übereuphorisch fahnenschwingend durch die Innenstadt ziehen und teils verbotene Lieder trällern; der Beamte, der Personen nach Herkunft oder Aussehen beurteilt und dementsprechend behandelt (man führe sich dazu die deutsche Asylpolitik vor Augen); die Bundeswehr, die in Afghanistan deutsche Werte, deutsche Güter und deutsches Recht verteidigt; die Steine und ihre Metzen, die in jedem Kaff „ihrer gefallenen Helden“ nachtrauern. Und ultimativ gibt es da noch die Faschisten, die „Nationalen“, der braune Mob: Sie sehen in allen Andersseienden Gotteslästerer, welche sich von ihrem Glaubenswerk „Deutschland“ lossagen wollen. Und so geht es immer weiter: Deutsche Autors fahren „schneller“, deutsches Essen schmeckt „besser“, deutsches Gesetz ist „gerechter“. Und verdienen tut man sich auch noch dumm und dämlich mit dem schwarz-rot-goldenen Anstrich.

All dieser Gedankendurchfall wird Tag für Tag aufs neue wiederholt, von zukünftigen Generationen reproduziert und daher irgendwann für viele Menschen zum festen Bestandteil ihrer Welt. Dass man dadurch gefährlich schnell wieder auf den Trichter „deutsch = überlegen“ kommen kann, dass es fast keine (selbst)kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff des „Deutschseins“ gibt; das bemerkt kaum jemand und wer stört sich schon daran?

Es gibt sie, diese Anderen, wesentlich wenigere, welche sich nicht auf diese Art des Denkens beschränken wollen und laut und deutlich „NEIN!“ zu Deutschland sagen. Es ist die Verneinung des „Sich-damit-abfinden“, dass wir aufgrund „unserer Natur“ aufeinander losgehen und immer das Fremde, Ungewollte an den „Anderen“ finden. Es ist die Verneinung der „deutschen Herkunft“ und all seiner „Eigenheiten“, welche diese austauschbare Erfindung nach sich zieht und vielen die kritische Selbsterkenntnis erspart. Und es ist die Verneinung des „Zufriedenseins“ in solchen Zuständen, wo wir uns für Nation, Staat und System kaputt schuften, welche den meisten gegenüber ungerechter und verlogener kaum sein könnten.

Es ist aber auf der anderen Seite auch ein geradezu wütendes „JA!“, welches viel mehr beinhaltet als das fast schon gequälte „Ja“ vieler Bürger_Innen zum Lichterketten-Antifaschismus und anderer deutscher Befreiungs-Heucheleien; wir bejahen ein Leben frei von Vorurteilen und völkischen Zwängen, egal wo sie vorkommen und wie wir sie erleben; wir bejahen den aktiven, radikalen Widerstand gegen jene „treue Kräfte“ der Nation, die uns und vielen Anderen das Recht auf Selbstbestimmung, Freiheit und Unabhängigkeit verwehren wollen, indem sie uns drohen, einsperren, misshandeln oder sogar totschlagen. Wir bekräftigen mit diesem „Ja“ auch immer wieder unsere Bereitschaft zur Solidarität mit Menschen, die uns vielleicht völlig unbekannt sind.

Außerde gibt es niemals einen Grund, sich auf veraltete Pseudowissenschaften von teils völlig Wahnsinnigen zu stützen, nur um sich diese Welt schneller und einfacher erklären zu können. Deswegen sagen wir auch „Ja“ zum selber denken: Frei von Grenzen und Konflikten, die alles nach Wertigkeit und Moral aufteilen; frei von Rassismus und „Volkszugehörigkeit“, von „Schwarz-rot-geil!“ und anderen peinlichen Liebeserklärungen an ein imaginäres Konstrukt; frei von „Anstand und Würde“ des guten Bürgers, welcher nur an parlamentarische Demokratie, die Polizei, das Kapital, seinen Gott und seine Fahne glaubt.

Die Zustände werden sich nicht ändern, wenn wir nur sagen, was wir wollen oder gar brauchen, um zufrieden mit uns und der Welt zu sein. Wir rufen euch dazu auf, sich an den Protesten zu beteiligen und sich mit diesem „Normalzustand“ niemals wieder zufriedenzugeben. Es geht dabei um weit mehr als die Moral unserer Gesellschaft oder was wir für „richtig“ oder „falsch“ erachten: Ein Rechtsruck bedeutet immer auch ein weiterer Schritt zur Militarisierung der Bevölkerung, zur Einschränkung der Meinungs- und Bewegungsfreiheit und zur Stärkung der gesellschaftlichen Kriegsbereitschaft.

Wozu das geführt hat, wissen wir alle nur zu gut. Jedoch hat „Deutschland“ es wohl nie geschafft, aus Morden an Millionen und dem kompletten Lossagen von Menschlichkeit mehr zu lernen, als wie man sich dem Fanatismus komplett hingibt.

Wir aber schon. Und deshalb sind wir nicht Deutschland.

Was sich in Deutschland abspielt, ist unerträglich. Dreizehn Jahre lang konnten drei Thüringer Nazis ungestört durch die Republik reisen, Banken überfallen, Sprengstoff-Attentate verüben und Menschen ermorden. Ihre Opfer waren Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat und die Polizistin Michèle Kiesewetter.

Die Morde der Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) wurden nur durch einen Zufallsfund nach dem Tod der beiden Nazis Böhnhardt und Mundlos im November 2011 aufgedeckt. Seitdem erfährt die Öffentlichkeit stückchenweise grauenhafte Details über die gezielte Hinrichtung von Migranten in ihren Geschäften, eine Nagelbombe in Köln-Mülheim und andere Anschläge eines Netzwerkes, von dem bisher nicht einmal abzusehen ist, wer ihm außer Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt noch angehört. Das ganze Ausmaß des Terrors ist noch nicht ersichtlich – möglicherweise steckt die Gruppe auch hinter einer Serie von Brandanschlägen in Völklingen und einem antisemitischen Bombenanschlag in Düsseldorf-Wehrhahn.

Erschreckend ist in diesem Kontext auch das Verhalten der deutschen Sicherheitsbehörden, für das Worte wie „Versagen“ offensichtlich zu harmlos sind. Bereits jetzt liegt offen zu Tage, dass die Behörden tief in den Terror des NSU verstrickt waren. Zudem wussten offenbar weite Teile der rechtsradikalen Szene nicht nur von der Mordserie, sondern auch, wer dahintersteckte. Erst kürzlich räumte der Verfassungsschutz in einem geheimen Untersuchungsbericht ein, mindestens bis zum Jahr 2000 über den Aufenthaltsort und die kriminellen Aktivitäten der NSU informiert gewesen zu sein. Es ist daher kaum vorstellbar, dass die Sicherheitsbehörden wirklich erst jetzt erfuhren, dass es im Untergrund eine Gruppe mordender Nazis gab. Es ist also nicht nur so, dass deutsche Sicherheitsbehörden „auf dem rechten Auge blind“ sind, es ist viel schlimmer: Die Grenzen zwischen Verfassungsschutz und militanter Naziszene verlaufen in manchen Gegenden dieses Landes scheinbar fließend. Insbesondere dort, wo die vom Verfassungsschutz eingesetzten V-Leute nicht nur keine brauchbaren Informationen zu der untergetauchten Nazi-Terrorgruppe lieferten, sondern mit Hilfe der staatlichen Zuwendungen maßgeblich am Aufbau von Nazistrukturen beteiligt waren, wie beispielweise in Thüringen.

Helmut Roewer, ehemaliger Präsident des Verfassungsschutz in Thüringen, schreibt heute für den antisemitischen und geschichtsrevisionistischen Ares-Verlag. Unter seiner Präsidentschaft konnten Mundlos, Zschäpe und Böhnhardt unbehelligt abtauchen. In diesem Zusammenhang darf nicht vergessen werden, dass es überzeugte Nazis und SS-Leute waren, die nach 1945 die deutschen Geheimdienste aufgebaut haben. In dieser Tradition kommt die Gefahr aus Sicht von BKA, Verfassungsschutz und BND bis heute nicht von rechts, sondern von links. Ein neuer Ausdruck dessen ist die Extremismusformel, die linke bzw. linksradikale Politik mit rechtsradikaler Gewalt gleichsetzt und beiden die “demokratische Mitte” gegenüberstellt. Ausgeblendet wird hierbei nicht nur der Unterschied zwischen faschistischer Gewalt und dem emanzipatorischen Kampf um bessere Verhältnisse, sondern auch die tiefe Verankerung menschenverachtender Ideologien, wie Rassismus, Antiziganismus und Antisemitismus, sowie weitere Formen gesellschaftlicher Ausgrenzung und Diskriminierung, in der Gesamtgesellschaft.

Auch wenn wir vom Ausmaß des Terrors und vom Ausmaß der Mittäterschaft des Staates entsetzt sind: Im Gegensatz zu Behörden, Politik und weiten Teilen der Öffentlichkeit sind wir als Antifaschist_innen von den Taten des NSU nicht ernsthaft überrascht. Wer wissen wollte, dass es in Deutschland mordende Nazis gibt, wusste es längst. Nicht nur die Pogrome von Hoyerswerda, Solingen und Rostock- Lichtenhagen machten diese Erkenntnis unumgänglich, sondern auch die Zahl von über 180 Todesopfern nationalsozialistischer Gewalt seit 1990. Netzwerke gewaltbereiter Kameradschaften, die „Wehrsportgruppe Hoffmann“, „national befreite Zonen“, Anschläge wie der auf das Oktoberfest von 1980, Waffen- und Sprengstofffunde im ganzen Land: Die Überraschung über die scheinbar plötzlich einsetzende Nazigewalt ist nur durch Heuchelei oder gut funktionierende Verdrängung zu erklären. Sie zeigt wieder einmal, wie wenig begriffen wird, dass die nationalsozialistische Weltsicht von selbst zu Gewalt und Vernichtung drängt – und wie hoch die Bereitschaft von Staat und deutscher Öffentlichkeit ist, die Gefahr von rechts zu leugnen, herunterzuspielen und zu verharmlosen. Es ist nicht nur so, dass in Deutschland niemand etwas über Nazis wissen will – es sei denn, um sich von ihnen als bessere Deutsche abzugrenzen – und Antifaschisten_innen als Störenfriede und Nestbeschmutzer_innen wahrgenommen werden. Sondern, große Teile dieser Gesellschaft teilen auch die menschenverachtenden Ansichten der Nazis: Der Staat schiebt – auf Grundlage einer völkisch-rassistischen Definition von Deutschen – Menschen ab, große Teile der deutsche Bevölkerung teilen antisemitische Ressentiments und die Angst vor „Überfremdung“, die Bücher eines Rassisten wie Thilo Sarrazin werden zu Bestsellern.

Auch während der Mordserie des NSU wurde das völkisch-rassistische Selbstverständnis der deutschen Gesellschaft deutlich: Hinweise von Angehörigen und Freund_innen der Opfer auf einen rechtsradikalen Hintergrund der Taten wurden ignoriert, ein Profiler der Münchner Polizei, der früh auf die Möglichkeit eines rechtsradikalen Hintergrundes der Taten hingewiesen hatte, wurde zum Schweigen gebracht. Die Schuld wurde stattdessen bei den Opfern und ihrer angeblichen Verstrickung in „mafiöse Strukturen“ gesucht. Hinweise, die auf Nazis hindeuteten, wurden systematisch fallengelassen. Die Medien schrieben derweil in rassistischer Art und Weise von „Dönermorden“.

Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus und völkischer Nationalismus sind Alltag in Deutschland. In dem Land, das nach Auschwitz schlichtweg hätte aufgelöst werden müssen, wird bis heute über die Täter_innen von gestern und die Täter_innen von heute geschwiegen. Und jede_r Nazi kann in dem Bewusstsein handeln: Wir schreien das raus, was andere denken. So erklärt sich auch, dass es trotz der schrecklichen Taten des NSU bisher kaum langanhaltende und ernsthafte öffentliche Empörung über die rassistischen Morde und die Verstrickung der Behörden gibt. Ebenso wenig gibt es den politischen Druck, alle Vorgänge lückenlos aufzuklären. Wir befürchten daher, dass die nun herrschende, unerträgliche Ruhe es den deutschen Behörden ermöglichen wird, die eigene Verstrickung in den Naziterror zu vertuschen.

Deshalb gehen wir am 28. Januar auf die Straße, um unser Entsetzen über die Nazimorde, unsere Trauer um die Opfer und unseren Hass auf die deutschen Verhältnisse auf die Straße zu tragen. Wir wissen, dass unsere Forderung nach demokratischer Aufklärung des NSU-Skandals und einer konsequenten Bekämpfung von Nazis und anderen Nationalist_innen bei den derzeitigen Verhältnissen kaum Erfolg haben wird. Das völkische Selbstverständnis dieser Gesellschaft werden wir auch mit dieser Demo nicht kippen können. Aber das wird uns nicht davon abhalten, lautstark darauf aufmerksam zu machen, dass nicht alle in diesem Scheißland ruhig bleiben. Wir wollen die derzeitige Ruhe stören. Wir sagen nicht nur den Nazis, sondern diesem Staat und der ganzen Gesellschaft den Kampf an.

Wir fordern:

  • Ein würdiges Gedenken an die Opfer des Naziterrors und Entschädigungen für ihre Freund_innen und Familien
  • Solidarität mit allen Opfern rassistischer, antisemitischer und antiziganistischer Gewalt
  • Die unabhängige Aufklärung aller Taten der NSU sowie die Offenlegung der Verstrickung des Verfassungsschutzes und anderen Geheimdiensten unter internationaler Beteiligung
  • Einbeziehung der Angehörigen in die Aufklärungsarbeit
  • Ersatzlose Schließung aller Einrichtungen des Verfassungsschutzes
  • Die endgültige Abschaffung Deutschlands
  • Kein Fußbreit den Nazis! Nie wieder Deutschland!

    Aufruf von http://dertodisteinmeisteraus.de/

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    Was für zwischendurch… http://als.blogsport.de/2010/11/08/was-fuer-zwischendurch/ http://als.blogsport.de/2010/11/08/was-fuer-zwischendurch/#comments Mon, 08 Nov 2010 10:21:16 +0000 A.L.S. Allgemein http://als.blogsport.de/2010/11/08/was-fuer-zwischendurch/ …für deinen Kopf und dein Herz.



    Wider der Festung Europa! Für eine Welt ohne Grenzen und Nationen!

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    Da dieser Slogan uns in letzter Zeit beim Spazierengehen mehrmals auf Laternen und Mülleimern aufgefallen ist, greifen wir das Thema auf und stellen euch diese noch sehr junge Kampagne einmal ausführlich in den Worten der Aufrufenden vor:

    Let’s push things forward – Eine Kampagne gegen rechte Zeitungen!

    Während Thor Steinar-Läden oder etwa Aufmärsche von Neonazis (zu Recht!) meist engagierten Protest und Widerstand hervorrufen, gibt es tagtäglich an ganz normalen Kiosken, in Supermärkten und Bahnhofsbuchhandlungen widerspruchslos rechte Zeitungen von „Junge Freiheit“ bis „Deutsche Stimme“ zu kaufen. Damit werden nationalistische, rassistische, sexistische, homophobe, militaristische und z.T. sogar neonazistische Inhalte verbreitet, wobei die Übergänge fließend sind.

    Seit Ende 2009 ist mit der „Zuerst!“ eine weitere rechte Monatszeitschrift offen erhältlich, die in einer beachtlichen Auflage von angeblich 86.000 Exemplaren versucht aus dem Nischendasein auszubrechen. Verleger der „Zuerst!“ ist der Neonazi Dietmar Munier, der seit Jahren im rechten Verlagswesen eine Scharnierfunktion zum organisierten Neofaschismus einnimmt. Das Blatt tritt in den bisher erschienenen Ausgaben den Versuch an, Rassismus, Nationalismus und antisemitische Verschwörungstheorien im unverfänglichen modernen Format eines Nachrichtenmagazins am Kiosk zu präsentieren. Die „Deutsche Militärzeitung“ gehört ebenfalls zu der Verlagsgruppe, in der auch die „Zuerst!“ erscheint. Und die „Preußische Allgemeine Zeitung – Mit Ostpreußenblatt“ (früher „Das Ostpreußenblatt“) ist mit diesem Wandel im Auftreten auch seit Jahresanfang am Kiosk erhältlich und versucht so eine breitere Leser_innenschicht zu erreichen. Ein Abdrängen dieser Zeitungen aus dem offenen Verkauf zurück ins Abo-Geschäft würde diesem Ansinnen entgegenwirken und somit grundsätzlich zu einer Schwächung der Positionen führen, die in den Zeitungen vertreten werden. Genau das ist unser Ziel und deshalb muss der offene Verkauf beendet werden. Ansatzpunkt dafür sind die Verkaufs- und Vertriebsstrukturen.

    Die Zeitschrift „Zuerst!“ wird beispielsweise über die Verlagsunion vertrieben, eine Tochtergesellschaft des Bauer-Verlags. Die Verlagsunion hat als Pressegroßhandel, also die Handelsstufe zwischen dem Verlag und dem Einzelhändler, großen Einfluss auf das Sortiment und kann so Kioskbetreiber_innen auch ein Komplettpaket an Zeitungen und Zeitschriften aufdrücken. Es sollte also in erster Linie nicht um die einzelnen Verkaufsstellen gehen, sondern eher um ein gesamtgesellschaftliches Klima, in dem dann auch die Vertreter_innen des Pressegroßhandels sich überlegen, ob sie es sich weiter leisten können rechte Zeitungen zu vertreiben. Und es gibt auch schon erste Schritte in diese Richtung. So hat der Konzernbetriebsrat der Bauer Media Group eine Stellungnahme veröffentlicht, in der festgestellt wird:

    „Seit Dezember 2009 vertreibt die 100-prozentige Bauer-Tochter Verlagsunion das rechte Monatsmagazin „Zuerst“. Es steht nach Einschätzung von Experten in direkter Nachfolge des neofaschistischen Theorieorgans „Nation und Europa“. Der Bauer-Konzernbetriebsrat hatte gegen die Geschäftsverbindung protestiert und die Konzernleitung aufgefordert, die Zusammenarbeit zu beenden.“

    Andererseits gibt es die „Zuerst!“ ebenso wie die „Preußische Allgemeine Zeitung“ z.B. auch bei der Supermarktkette „real“, die sich im Gegensatz zu kleinen Kiosken ohne Probleme entscheiden kann, was sie anbietet und was nicht. Sie kann also komplett in die Verantwortung genommen und der politische Druck auch auf diesen Konzern erhöht werden.

    Meinungsfreiheit?

    Wenn sich offensive Kritik an rechten Zeitungen und Zeitschriftenprojekten regt, reagieren diese in der Regel mit den immer gleichen „Argumenten“. Sie wettern gegen die angebliche Diktatur der „political correctness“ und stellen ihre Kritiker_innen als Gegner_innen der Meinungs- und Pressefreiheit dar. Dieses durchsichtige Schauspiel zielt auf eine Verschiebung der Debatte vom Inhalt der Zeitungen auf eine Diskreditierung der Kritiker_innen ab. Meinungs- und Pressefreiheit sind staatlich garantierte Rechte. Wir wollen und können diese mit der Kampagne gegen rechte Zeitungen nicht einschränken oder abschaffen und z.B. auf ein staatliches Verbot bestimmter Publikationen hinarbeiten. Vielmehr geht es uns um einen gesellschaftlichen Prozess, in dem reaktionäre Ideologien, wie sie in diesen Zeitungen verbreitet werden, nicht mehr als eine einfache „Meinung“ unter vielen anerkannt und diskutiert werden können. Statt dessen sollten sie als das benannt werden, was sie sind: menschenverachtende Festschreibungen von Individuen aufgrund von z.B. Herkunft, Geschlecht und Religion. Diese Festschreibungen stehen einer Gesellschaft, in der alle Menschen die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben, also einer wirklichen freien und gerechten Welt, entgegen und genau deshalb engagieren wir uns gegen diese „Meinungen“ und Publikationen.

    Extremismus?

    In unserer Gesellschaft werden politische Auseinandersetzungen in letzter Zeit wieder sehr dominant durch die „Extremismus“-Brille wahrgenommen und verhandelt. So wird das Bild einer „demokratischen Mitte“ konstruiert, an deren Rändern verschiedene und sich angeblich doch ähnliche Extreme eine wachsende Gefahr für die Gesellschaft darstellen. Diese verschobene Sicht hat vor allem zwei Ziele. Zum einen werden gesamtgesellschaftliche Probleme, wie etwa Rassismus und Antisemitismus zu mehr oder weniger harmlosen Randproblemen erklärt. Entgegen aller Statistik und Empirie werden diese damit einzig den „Rechtsextremen“ zugeschoben und die angebliche „Mitte“ freigesprochen. Ob der ehemalige Finanzsenator von Berlin als SPD-Mitglied gegen Migrant_innen hetzt, der amtierende Außenminister von der FDP gegen Hartz-IV-Empfänger wettert oder die CDU bundesweit Unterschriftenlisten gegen die doppelte Staatsbürgerschaft sammelt und die „deutsche Leitkultur“ propagiert – im Schoße der „großen demokratischen Parteien“ ist vieles kein Problem, denn Rassismus und Sozialchauvinismus sind ja angeblich ein Problem des „extrem rechten Randes“.
    Außerdem geht mit der „Extremismustheorie“ auch eine Gleichsetzung von Rechts- und Links-“Extremen“ einher und damit eine gezielte Diskreditierung linker Ideale und Ideen. Dabei wird nicht nur bewusst ignoriert, dass alleine seit dem Mauerfall 1989 weit über 100 Menschen durch Neonazis ermordet und tausende schwer verletzt wurden, während „linke Gewalt“ in diesen Ausmaßen gar nicht vorkommt oder die absolute Ausnahme ist und natürlich viele Linke überhaupt nicht militant agieren. Es wird auch verschwiegen, warum dies so ist. Das hängt natürlich mit den komplett unterschiedlichen Zielen der angeblich wesensverwandten „Extreme“ zusammen. Während Linke sich bei allen Unterschieden in den verschiedenen Strömungen doch immer für eine freie und gerechte Welt einsetzen, stehen Neonazis wie Rechtspopulisten, wenn auch in z.T. sehr unterschiedlichen Ausprägungen, für eine Gesellschaft, in der ganz klar nach angeblich biologischen oder auch sozialen Unterschieden getrennt wird und dementsprechend Möglichkeiten gegeben werden oder verbaut bleiben.

    So lässt sich etwa der Geschichtsrevisionismus, wie er in der „Preußischen Allgemeinen Zeitung“ vertreten wird, nur schwer von dem einer Erika Steinbach unterscheiden (Vorsitzende im „Bund der Vertriebenen“), die im Bundestag gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze stimmte. Bei der „Jungen Freiheit“ finden sich nicht nur personelle Überschneidungen ins rechtskonservative Lager der CDU, sondern auch immer wieder Interviews mit Politiker_innen wie beispielsweise der SPD. Wer sich noch an die als „israelisch-ktitisch“ verharmlosten Ausfälle des damaligen FDP-Vorsitzenden Möllemann erinnert, kommt nicht umhin eine Ähnlichkeit zum Antisemitismus der „National-Zeitung“ zu erkennen.

    Dort, wo Ungleichheitsideologien wie Rassismus, Nationalismus und autoritäre Hierarchie- und Ordnungsvorstellungen zum Randphänomen erklärt werden und damit deren Verbindung zur bundesrepublikanischen Normalität geleugnet wird, gibt es eben auch keinen Platz für eine notwendige und berechtigte linke Gesellschaftskritik z.B. am weitverbreiteten Alltagsrassismus, heterosexistischer Familienpolitik, sozialer Ungleichheit und einer behindertenfeindlichen Leistungsgesellschaft.

    Let’s push things forward!

    Rassismus, Geschichtsrevisionismus, Antisemitismus, Sozialchauvinusmus finden sich also nicht nur am rechten Rand und damit auch nicht nur in den Zeitungen und Zeitschriften gegen die diese Kampagne gerichtet ist. Doch in diesen sind sie in einer geballten Form vertreten. Das, was die Macher_innen dieser Blätter propagieren, ist noch menschenverachtender als die Welt, in der wir eh schon Ungerechtigkeit und Ausgrenzung ertragen müssen und uns genau deshalb auch in linken Projekten, Initiativen, Gruppen und Verbänden engagieren. Wir wollen eine andere Welt, eine Welt, in der es um die Bedürfnisse der Menschen geht und nicht um nationale und/oder religiöse Zwangskollektive, um Herkunft und sexuelle Vorlieben. Bei diesem Engagement stehen rechte Zeitungen, wie die „Zuerst!“, die „Junge Freiheit“, die „Deutsche Militärzeitung“ oder das „Preußische Allgemeine Zeitung“ genauso auf der anderen Seite, wie „Deutsche Stimme“ und „National-Zeitung“ von NPD und DVU. Und deshalb setzen wir uns dafür ein, diese menschenverachtenden Zeitungen aus der Öffentlichkeit zu verbannen und fordern Euch auf, uns dabei zu unterstützen.
    Ihr könnt diesen Aufruf unterschreiben und weiterverbereiten. Ob digital, mit unseren Flugblättern und Flyern oder eigenen Sachen, es gibt unzählige Möglichkeiten sich zu engagieren – in Uni, Schule, auf Arbeit oder direkt im Supermarkt.

    Wenn ihr den Aufruf unterstützen wollt, schreibt uns einfach eine mail.

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    Kiel: Über 1300 Leute auf Soli-Antifa-Demo http://als.blogsport.de/2010/03/14/kiel-1300-leute-auf-soli-antifa-demo/ http://als.blogsport.de/2010/03/14/kiel-1300-leute-auf-soli-antifa-demo/#comments Sun, 14 Mar 2010 15:39:59 +0000 A.L.S. Allgemein http://als.blogsport.de/2010/03/14/kiel-1300-leute-auf-soli-antifa-demo/ Heute, am Nachmittag des Sa., 13. März 2010 Uhr beteiligten sich insgesamt weit mehr als 1300 Menschen an der Demonstration „You‘ll never walk alone!Solidarität mit der Alten Meierei und allen Betroffenen faschistischer Gewalt! Nazistrukturen in Kiel und andernorts zerschlagen – linke Gegenkultur stärken!“, die von verschiedenen NutzerInnen und UnterstützerInnen der Alten Meierei initiiert und von einem breiten Spektrum von fast 100 politischen und kulturellen Organisationen und Projekten aus Kiel und weit darüber hinaus getragen wurde. Anlass der Demonstration waren scharfe Schüsse auf das linke Kultur- und Wohnprojekt Alte Meierei am 20. Januar 2010 und seit geraumer Zeit andauernde Angriffe von Neonazis auf linke und alternative Einrichtungen in Kiel.

    Ab 14 Uhr versammelten sich die DemoteilnehmerInnen am Kieler Hauptbahnhof, von wo sich der Demonstrationszug gegen 15 Uhr in Bewegung setzte und nach einer langen Route durch die Kieler Innenstadt gegen 17.30 Uhr an der Alten Meierei endete.

    Es wurden insgesamt vier Kundgebungen am Bahnhof, am Asmus-Bremer-Platz, vor dem erst vor wenigen Wochen von einem erneuten Naziangriff betroffenen Buchladen Zapata im Jungfernstieg und in der Ringstraße abgehalten. Dabei wurde sich in verschiedenen Redebeiträgen solidarisch mit allen Betroffenen der faschistischen Angriffe erklärt, zu denen es vor allem in den letzten zwei Jahren immer wieder gehäuft gekommen ist, die Notwendigkeit breiter antifaschistischer Gegenwehr betont und zur Verteidigung und Schaffung grenzenloser linker Gegenkultur wie in der Alten Meierei aufgerufen. Darüber hinaus wurde immer wieder die bisher ausgebliebene breite Thematisierung der Kieler Naziaktivitäten in weiten Teilen der städtischen Öffentlichkeit kritisiert. So berichte z.B. die Lokalpresse den RednerInnen zufolge nur unzureichend und häufig unzutreffend über Aktivitäten von Neonazis in Kiel. Zudem schwinge oft eine Gleichsetzung von engagierten AntifaschistInnen mit Neonazis im Sinne der sogenannten „Extremismustheorie“, die als politisch und wissenschaftlich haltlos zurück gewiesen wurde, in der Berichterstattung führender Kieler Printmedien mit.

    Mark Schröder vom Demovorbereitungskreis 13.3. zeigte sich sehr zufrieden: „Weit über 1300 AntifaschistInnen haben heute unmissverständlich klargestellt, dass wir uns nicht von den Angriffen der Nazis einschüchtern lassen und jetzt erst recht eine lebendige linke Gegenkultur leben und weiter gegen Naziaktivitäten jeglicher Art vorgehen werden. Wir können uns dabei auf eine große Solidarität in der Stadt verlassen, wie heute wieder einmal deutlich geworden ist.“

    „Es war lange überfällig, wie heute sehr erfolgreich geschehen, mit einer starken antifaschistischen Mobilisierung die nötige Gegenöffentlichkeit zu den Schüssen auf die Alte Meierei und anderen Naziaktivitäten in Kiel herzustellen. Dass wir dies mal wieder selbst in die Hand nehmen mussten, hat nicht zuletzt damit zu tun, dass die lokale Presse ganz im Sinne der vorgegebenen Polizeilinie die hiesigen Naziaktivitäten meist verschweigt, verharmlost oder sogar die dringend erforderliche antifaschistische Gegenwehr mit ihnen gleichsetzt. Wie gefährlich das ist, offenbart sich in einem städtischen Klima, in dem es den Neonazis trotz ihrer weitestgehenden Marginalisierung möglich ist, fortlaufend Menschen und Einrichtungen anzugreifen. Deshalb freuen wir uns, dass es unsheute gelungen ist, dem eine unüberhörbare antifaschistische Position entgegen zu setzten. Daran werden wir natürlich auch in Zukunft festhalten!“, kommentierte Julia Schmidt vom Demovorbereitungskreis die erfolgreich verlaufene Demonstration.

    Rückfragen an den Demovorbereitungskreis 13.3.: antifa-kiel@riseup.net
    Weitere Informationen: www.antifa-kiel.org | www.altemeierei.de

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    Dresden 2010 – Sie kamen nicht durch! http://als.blogsport.de/2010/02/15/dresden-2010-sie-kamen-nicht-durch/ http://als.blogsport.de/2010/02/15/dresden-2010-sie-kamen-nicht-durch/#comments Mon, 15 Feb 2010 12:01:54 +0000 A.L.S. Allgemein http://als.blogsport.de/2010/02/15/dresden-2010-sie-kamen-nicht-durch/ Karen Eliot and the Antifa Swingers!

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